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ACDSee Ultimate 8

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Einleitung

In den letzten Wochen hatte ich die Gelegenheit mich mit dem Bildbearbeitungsprogramm ACDSee Ultimate 8 auseinanderzusetzen. Der Name ACDSee war mir noch vage im Gedächtnis, da es so um die Jahrtausendwende ein recht weit verbreitetes Bildbetrachtungs- und Verwaltungsprogramm für Windows war. Seitdem ist ja einiges an Zeit vergangen und ich war neugierig, was sich seit dem so an dem Programm getan hat. Generell gibt es momentan drei verschiedene Versionen von ACDSee nämlich ACDSee 18, ACDSee Pro 8 und ACDSee Ultimate 8. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Versionen kann man hier nachlesen. Kurz gesagt, ACDSee 18 ist ist das normale Bildbetrachtungs- und Verwaltungsprogramm. ACDSee Pro 8 hat zusätzlich ein Bearbeitungsmodul und einen RAW Konverter. Die Ultimate Version bietet noch etwas mehr Möglichkeiten als die Pro Version, hier hat man z.B. nun erstmalig die Möglichkeit auch mit Ebenen zu arbeiten. Die RAW Konverter sind momentan nur für Windows erhältlich, da ich normalerweise jedoch mit OS X arbeite läuft das Programm bei mir über Bootcamp auf meinem Macbook. Die Ultimate Edition hat eine UVP von 156,99€, kostet momentan jedoch 85,95€ (es gibt häufig Sonderangebote von ACDSee) was meiner Meinung nach ein sehr fairer Preis ist für den Gebotenen Umfang.

ACDSee Katalogansicht

ACDSee Katalogansicht

Funktionen

Nach einer  problemlosen Installation, bei der man aussuchen kann, welche Plugins (Schnittstellen zu z.B. Facebook und Flickr) mit installiert werden sollen, möchte das Programm, dass man sich registriert. Wenn man dies nicht möchte kann man einfach auf „Später registrieren“ gehen. Die generelle Oberfläche von ACDSee sieht wie im oben gezeigten Bild aus, hier in der Katalogansicht. Die Farbgebung der GUI kann zwischen „Hell“, „Silber“ und „Kohle“, was im wesentlichen Hellgrau, Mittelgrau und Dunkelgrau ist, gewechselt werden. Wie auch in Lightroom, welches wohl der Hauptkonkurrent des Programmes ist, findet man in der oberen rechten Ecke die verschiedenen Module: Verwalten, Ansicht, Entwickeln und Bearbeiten. Zusätzlich gibt es noch den 365 Tab für die Abonnenten des ACDSee Cloud Programms. Will man das Entwickeln Modul benutzen, so braucht man mindestens Windows 7 mit Servicepack 1. Hat man dieses nicht, wird man freundlich darauf hingewiesen. Hat man einen zweiten Monitor, so kann man das Programm auf beiden Monitoren laufen lassen, was ich persönlich ziemlich praktisch fand. Das Programm installiert sich auch ins Windows Menü und zeigt beim Rechtsklick auf Bilddateien eine Vorschau, sowie ein paar wichtige EXIF Daten an. Dies funktioniert auch bei RAW Dateien, was recht hilfreich ist, da Windows diese normalerweise ja nicht mit einem Thumbnail anzeigt.

Rechtsklick Preview

Rechtsklick Preview

Die Verwalten und Ansicht Module

Im Verwalten Modul kann man seine Bilder importieren, organisieren und verwalten. Zuerst habe ich ein ein paar meiner Ordner mit RAW Dateien importiert und mir dabei für jedes Bild auch eine Preview rendern lassen, was durchaus einige Zeit dauert. Will man also wirklich große Bildbibliotheken importieren muss man entweder viel Zeit mitbringen oder das rendern der Previews lassen.

Katalogisieren der Daten

Katalogisieren der Daten

Anschließend kann man die Dateien mit Farbcodes, Nummer, Metadaten usw versehen und gewissen Kategorien und Stichwörtern zuordnen. Der ganze Prozess ist ähnlich wie in Lightroom, doch fand ich es in ACDSee etwas ansprechender gelöst als in Lightroom. Das sortieren nach verschiedenen Kriterien ist einfach und unkompliziert, praktisch fand ich den Auswahlkorb, in den alle Möglichen Bilder gelegt werden können unabhängig von Ordnern, Tags usw. Dieser Korb kann dann z.B. ans Entwickeln Modul übergeben werden, so dass man dort dann nur die Auswahl der Bilder aus dem Korb zur Verfügung hat.

Bilder verwalten

Bilder verwalten

Die Möglichkeiten zur Verwaltung und zum Managen der Bilder ist schier endlos und alles zu beschreiben würde schlicht und einfach den Rahmen dieses Reviews sprengen. Zusammengefasst macht ACDSee hier einen sehr guten Job, es ist ähnlich zu Lightroom, jedoch finde ich einige Sachen hier besser gelöst bzw. einfach als in Lightroom, was jedoch bestimmt auch mit Gewöhnung und persönlicher Vorliebe zu tun hat. Eine effiziente Stapelverarbeitung ist auch integriert, hier kann man recht schnell größere Mengen an Bildern mit Wasserzeichen versehen, oder auch in andere Maße konvertiere. Das Ansicht Modul ist relativ unspannend denn es tut genau das was der Name sagt, es zeigt einfach das Bild an. Hier kann man minimale Änderungen am Bild vornehmen, man kann einen Auto-Belichtungsmodus „Auto-EQ“ benutzen der die Belichtung des Bildes auf einen errechneten (besseren?) Wert ändert. Auch gibt es ein paar Filter wie Lomo, Schwarz-Weiß und Sepia.

Das Entwickeln Modul

Will man jedoch eine richtige Bildbearbeitung vornehmen, so muss man ins Entwickeln Modul, welches der RAW Konverter von ACDSee ist. Hier findet man die typischen Einstellungen  aus RAW Konvertern wie z.B. Weißabgleich, Gradationskurven, HSL Panel, Schärfen, Objektivkorrekturen usw. Selektive Änderungen sind über Pinsel, sowie Verlaufs und Radialfilter möglich. Bei den Objektivkorrekturen gibt es leider keine Voreinstellungen für die verschiedenen Objektive, wie man es z.B. aus Lightroom kennt, man muss die Korrektur also per Hand machen. Als Hilfe bekommt man jedoch ein Gitterraster eingeblendet. Hat man eine Einstellung verändert so wird dies im entsprechenden Reiter mit einem blau ausgefüllten Viereck angezeigt. Hat man noch keine Korrektur vorgenommen, so ist es grau und unausgefüllt. Will man einen Wert auf seinen Standardwert zurücksetzen so kann man das entweder für den ganzen Reiter machen, oder per Rechtsklick auf den einzelnen Regler. Eine weitere Sache die mir aufgefallen ist, ist dass die Regler für Lichter und Schatten stärker auf Änderungen reagieren als Lightroom, jedoch hat man im erweiterten Modus mehr Möglichkeiten zur Feinjustage.

Entwickeln Modul

Entwickeln Modul

Generell arbeitet das Programm recht schnell und zuverlässig und kommt, zumindest mit Bayer Sensor Daten, gut zurecht. Daten aus Fuji Kameras konnte ich bis jetzt noch nicht testen. Hier haben ja einige Bearbeitungsprogramme Probleme, da die Anordnung der Pixel auf dem Sensor anders ist. Noch eine kleine Anmerkung zum Reparaturpinsel, dieser arbeitet meiner Meinung nach sehr zuverlässig um z.B. Sensorflecken zu entfernen. Ich habe jedoch keine Option gefunden um einzelne Korrekturen rückgängig zu machen, entweder alles oder nur die letzte Anpassung. Hier würde ich mir wünschen dass man wie in Lightroom die einzelnen Korrekturen individuell löschen kann.

Das Bearbeiten Modul

Das Bearbeiten Modul ist die Erweiterung des Entwickeln Moduls. Änderungen am Bild die hier vorgenommen werden, können nicht in der Bibliothek gespeichert werden sondern müssen als externes Bild gespeichert werden. Man kann es sich als eine Art Mini-Photoshop vorstellen. Die größte Neuerung hier ist sicherlich das Arbeiten mit Ebenen und Masken, welches in der Ultimate Edition im Bearbeiten Modul zur Verfügung steht. Die Ebenen können wie in Photoshop in verschiedenen Modi überblendet werden (z.B. Multiplizieren, Abwedeln, Hartes Licht …) und auch Ebenenmasken können auf die einzelnen Ebenen angewandt werden. Auch das Ändern der Deckkraft ist möglich.

Ebenen und Masken

Ebenen und Masken

Eine Möglichkeit zur Erstellung von Luminanzmasken habe ich bis jetzt noch nicht gefunden. Das Arbeiten mit Masken und Ebenen eröffnet natürlich ganz neue Möglichkeiten in der Bildbearbeitung. Hierzu muss ich jedoch sagen, dass dies in ACDSee sehr viel Rechenpower benötigt. Natürlich sind die Dateien der Sony A7R mit ihren 36MP natürlich nicht gerade klein, aber grade das arbeiten mit Masken zwingt meinen Laptop dann doch in die Knie und ich muss teilweise einige Sekunden warten, bis ich wieder etwas machen kann. Der Laptop ist zwar nicht mehr ganz der jüngste, aber mit einem i5 mit 2.5 GHz, 16 GB RAM und einer 512GB SSD gehört er jetzt auch nicht unbedingt zu den schlechtesten. Arbeite ich in Photoshop mit Masken und Ebenen habe ich normalerweise keinerlei Probleme, hier besteht also noch etwas Optimierungsbedarf. Was kann man sonst noch so im Bearbeiten Modul machen? Hauptsächlich hat man sechs Hauptbereiche mit verschiednen Unterpunkten, diese sind: Reparieren, Hinzufügen, Geometrie, Belichtung/Beleuchtung, Farbe und Detail. Unter Hinzufügen z.B. findet man verschiedene Rahmen, Vignetten und jede Menge Filter/Spezialeffekte. Ein paar von den Punkten findet man auch im Entwickeln Modul, was jedoch sinnvoll ist, da man aus dem Bearbeiten Modul nicht ins Entwickeln Modul zurück wechseln kann ohne die Datei separat zu speichern. Zum Speichern gibt es jetzt neu das ACDC Format mit der Endung *.acdc. Dies ist so ähnlich wie das PSD Format von Photoshop und unterstützt auch Ebenen, das PSD Format kann jedoch auch genutzt werden. Exportiet man das Bild z.B. als jpg so bekommt man noch einen extra Dialog in welchem man verschiedene Einstellungen und Presets laden kann, wie z.B. die Bildgröße.

Exportieren

Exportieren

Fazit

Was halte ich nun von ACDSee Ultimate 8 und für wen ist das Programm was, für wen ist es nix? Zuerst mal benötigt ihr ein Windows Betriebssystem, da es ACDSee Ultimate momentan nicht für andere Plattformen gibt. Es ist eine super Alternative zu Lightroom, grade wer viel Wert auf das Organisieren und Managen der Dateien legt ist hier richtig, denn das meistert ACDSee mit Bravour. Auch die RAW Konversion funktioniert super, hier gibt es Vor- und Nachteile gegenüber Lightroom. Einer der größten Nachteile ist für mich die nicht automatische Objektivkorrektur, ein Vorteil wäre die erweiterte Kontrolle über Lichter und Schatten. Geht die Bearbeitung allerdings über die Grundlegende RAW Bearbeitung hinaus, so hat man zwar jetzt Zugriff auf Ebenen und Masken, jedoch kann man dadurch Photoshop nicht ersetzen, was meiner Meinung nach aber auch nicht Ziel des Programms ist. Sucht man also einen RAW Konverter mit super Funktionen zum Sortieren der eigenen Bildbibliothek so sollte man sich definitiv mit ACDSee auseinandersetzen. Will man wirklich exzessiv und akribisch Bilder bearbeiten, so ist ACDSee für die reine Bearbeitung meiner Meinung nach nicht die erste Wahl. Hier bietet Photoshop noch einiges mehr und kann dieses auch schneller umsetzen, jedoch auch zu einem ganz anderen Preis. Ich denke grade Einsteiger und Hobbyfotografen werden in diesem Programm alles finden was man braucht, als Photoshop Ersatz kann es meiner Meinung nach nicht ganz dienen, hier kommt es allerdings auch drauf an, was genau man machen will. Wer sich unsicher ist, ob das Programm für einen selbst was taugt, soll es doch einfach selbst ausprobieren und sich die kostenlose Trial Version runterladen, es lohnt sich. Alles in allem bin ich sehr positiv Überrascht, was sich alles an dem Programm getan hat, seitdem ich es das letzte mal vor einigen Jahren nur zum Anschauen von Bildern benutzt habe.

Zum Schluss gibts noch ein Bild, welches ich mit ACDSee bearbeitet und exportiert habe.

Frankfurt

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1 comment

Timon Juni 23, 2015 - 21:56

Hey Peter,
interessanter Blick über den Adobe Tellerrand.
Allerdings für mich, als Mac User, nicht so interessant.
Meiner Meinung wird es aber immer schwerer wegen ein/zwei Features das Programm zu wechseln.
Ich denke perspektivisch wird alles nur über Workflowthemen gehen. Ohne Weiterleitung an ein psd Format? keine App?
Für Einsteiger ok, aber wer mehr will, wird sich wohl doch eher für ein anderes Programm entscheiden 😉
Gruß Timon

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